DIN-Norm 24-Stunden-Pflege (Spec 33454) – Die Professionalisierung einer Branche

DIN-Norm 24-Stunden-Pflege: Die Nachfrage nach 24-Stunden-Pflege und -Betreuung wächst weiter. Aufgrund des steigenden Interesses an dem Betreuungskonzept wächst auch das Angebot im Bereich der 24-Stunden-Pflege und -Betreuung. Trotz der größtenteils sehr guten Arbeit vieler Vermittlungsagenturen befinden sich in der Branche jedoch auch schwarze Schafe, die rechtliche Schlupflöcher für ihre Zwecke nutzen. Für den Kunden ist eine Unterscheidung zwischen guter und schlechter Vermittlungsagentur auf den ersten Blick jedoch kaum möglich – hier versucht die neue DIN-Norm 24-Stunden-Pflege (DIN-Spec 33454) anzuknüpfen.

Entwicklung der 24h-Pflege

Etwa eine halbe Millionen Haushalte in Deutschland greifen im Rahmen der 24-Stunden-Pflege und -Betreuung auf eine Pflegekraft aus Osteuropa zurück. Die Gründe für die steigende Nachfrage nach dem Pflegekonzept und dem Einsatz dieser Vollzeitpflege sind unterschiedlich. Zum einen ist sicherlich die Situation der pflegenden Angehörigen zu beachten, die die Betreuung einer nahestehenden Person mit dem eigenen Alltag in Einklang bringen müssen. Vollzeit arbeiten, die Erziehung von Kindern und die Pflege von Angehörigen sind oft nicht alleine zu bewältigen. Zum anderen wollen auch viele Senioren die eigenen vier Wände im Alter nicht verlassen, welches eine Betreuung in Pflegeheimen ausschließt. 

Die steigende Nachfrage nach dem Pflegekonzept ist im Markt längst erkannt worden. Immer mehr Vermittlungsagenturen werden gegründet und bieten die Pflege durch eine osteuropäische Betreuungskraft an. Auch die Wege wie sich Interessenten über die 24-Stunden-Pflege und -Betreuung, die Vermittlungsagenturen oder über die Betreuungskräfte informieren können, vervielfältigen sich. Insbesondere im Internet sind aktuelle Informationen über die Vollzeitpflege für Senioren jederzeit abrufbar. 

Für den pflegenden Angehörigen ist ein großes Angebot an Anbietern grundsätzlich erstmal eine gute Sache. Der häufige Einsatz der 24-Stunden-Pflege und -Betreuung durch Pflegekräfte aus Osteuropa sorgt jedoch auch dafür, dass in der Branche einige Vermittlungsagenturen existieren, die nicht fair und sauber arbeiten. Diese stellen nicht nur für den Interessenten aus Deutschland ein Problem dar, sondern beeinflussen durch z. B. schlechte Arbeitsbedingungen (Bezahlung unter Mindestlohn) der Betreuungskräfte, das Image der ganzen Branche negativ. Bisher ist der Markt für Vermittlungsagenturen im Rahmen der 24-Stunden-Pflege und -Betreuung nicht stark kontrolliert, wodurch durch das Verhalten von schwarzen Schafen für alle anderen Marktteilnehmer schlecht zu identifizieren ist. 

Welche Regulierungen gibt es bisher?

Bisher können pflegende Angehörige gute und schlechte Vermittlungsagenturen nur sehr schwer voneinander im Vorfeld unterscheiden. Möglichkeiten bieten unter anderem das persönliche Gespräch mit der Agentur, wobei auch hier unseriöse Anbieter nicht immer sofort zu erkennen sind. Eine Orientierungshilfe, solche Vermittlungsagenturen zu identifizieren bietet die Rechtkonformität von der Betreuung in häuslicher Gemeinschaft (BihG). Sie stellt Leitlinien für ein professionelles und legales Betreuungskonzept auf. Vor allem faire Arbeitsbedingungen für die osteuropäischen Pflegekräfte werden in der Betreuung in häuslicher Gemeinschaft aufgestellt.

Auch die Verbände VHPB (Verband für häusliche Betreuung und Pflege e.V.) und BHSB (Bundesverband häusliche SeniorenBetreuung e.V) haben über die letzten Jahre an der Professionalisierung der 24-Stunden-Pflege-Branche gearbeitet. Um mehr Einfluss auf die Politik und die Medien ausüben zu können, haben die beiden Verbände sich Anfang 2020 zusammengeschlossen. Die Bearbeitung von Themen, wie Bezahlung unter Mindestlohn, Schwarzarbeit, Einhaltung der Arbeitszeiten, etc. stehen auf der Agenda des Verbandes.

Bisher gibt es wenig Regulierungen in der 24-Stunden-Pflegebrachen – die neue Hoffnung: Die DIN-Norm Spec 33454
Regulierungen, wie die neue DIN-Norm 24-Stunden-Pflege bieten den pflegenden Angehörigen eine Orientierungshilfe © Jack Finnigan on Unsplash

Der neue Standard: DIN-Norm 24-Stunden-Pflege (Spec 33454)

Als neues Regulierungselement für die 24-Stunden-Pflege und -Betreuungs-Branche ist nun die DIN-Norm 24-Stunden-Pflege (Spec 33454) erschienen. Sie soll den neuen Standard für die Branche darstellen und legt Anforderungen für die unterschiedlichen Marktteilnehmer fest. Insbesondere für die Betreuungsdienstleister und die Vermittlungsagenturen werden Rahmenbedingungen definiert, die zu einer, für alle Parteien, erfolgreichen 24-Stunden-Pflege beitragen sollen.

Für die pflegende Angehörige bietet die DIN-Norm Spec 33454 eine Orientierungshilfe, durch die Interessierte auf den ersten Blick eine gute von einer schlechten Vermittlungsagentur unterscheiden können. Durch die in der DIN-Norm Spec 33454 festgelegten Standards können sich die pflegenden Angehörigen sicher sein, dass sie fachkundig beraten werden und der Umgang mit den Betreuungskräften auf einem professionellen Niveau stattfindet. All das ist zugesichert, wenn eine Vermittlungsagentur die Zertifizierung mit der DIN-Norm Spec 33454 vorlegen kann.

DIN-Norm 24-Stunden-Pflege: Von Marktteilnehmern für Marktteilnehmer 

Die vielen Beteiligten an dem 24-Stunden-Pflegekonzept stellen die Regulierung des Marktes vor eine große Herausforderung. Die unterschiedlichen Interessen der beteiligten Parteien sind sehr vielfältig, sodass eine Kontrolle schwerfällt. Um die diversen Herausforderungen und Anforderungen der Marktteilnehmer ausreichend zu präsentieren, wurde die DIN-Norm 24-Stunden-Pflege (Spec 33454) daher von einem breit aufgestellten Gremium entwickelt. Dazu zählen unter anderem:

  • Verbraucherschützer (Stiftung Warentest)
  • Wissenschaftler (u.a. Prof. Dr. Tanja Segmüller)
  • Angehörige
  • Qualitätsorientierte Anbieter bzw. Pflegevermittler  

Durch den Einfluss der unterschiedlichen Gremiumsmitglieder deckt die DIN-Norm 24-Stunden-Pflege (Spec 33454) viele bisher nicht regulierte Abläufe im Rahmen der 24-Stunden-Pflege und -Betreuung ab.  

Qualitätssicherung aller Marktteilnehmer und eine faire Betreuung von Senioren garantierte die neue DIN-Norm 24-Stunden-Pflege
Die DIN-Norm 24-Stunden-Pflege ist der neue Standard der Branche
© Scott Graham on Unsplash

DIN-Norm 24-Stunden-Pflege: Bestandteile der Zertifizierung 

Auf der Seite der Vermittlungsagenturen betrifft dies unter anderem die Beratung der pflegenden Angehörigen. Nach dem neuen DIN-Standard soll die Beratung der Interessenten flächendeckend durch Pflegefachkräfte, wie z. B. Krankenschwestern, garantiert werden. Auch das Thema Transparenz wird mit der DIN-Spec 33454 abgedeckt, da diese Rahmenbedingungen für das Vertragswerk zwischen den Vermittlungsagenturen und den pflegenden Angehörigen enthält. Dabei geht es insbesondere um kurze Kündigungsfristen, konkrete Leistungsbeschreibungen und eine Offenlegung aller anfallender Kosten. 

Einer der zentralen Vorwürfe an die Branche ist der Umgang mit den osteuropäischen Betreuungskräften. Zu geringe Entlohnung und zu lange Arbeitszeiten skizzieren die Hauptprobleme des Vorwurfes. Dies greift die neue DIN-Norm 24-Stunden-Pflege auf und stellt hohe Anforderungen an Ablauf des Betreuungskonzeptes. Unter dem Überbegriff „Faire Arbeitsbedingungen“ sind die konkreten Standards zu Arbeitszeit, Ruhezeit und Entlohnung der Betreuungskräfte festgelegt. Nur wenn diese nachweislich eingehalten werden, können sich Vermittlungsagenturen mit der DIN-Norm Spec 33454 zertifizieren. Dadurch können auch pflegende Angehörige relativ sicher gehen, dass sie auf eine fair bezahlte Dienstleistung zurückgreifen.

Um auftretende Probleme durch mangelnde Kommunikation zu vermeiden umfasst die Zertifizierung mit der DIN-Norm 24-Stunden-Pflege (Spec 33454) auch eine Aufklärungspflicht zwischen der Vermittlungsagentur, der Betreuungskraft und dem Verbraucher.  Vor allem im Rahmen der Pflege Organisation ist es für alle beteiligten Personen wichtig, Anforderungen, Besonderheiten und Erwartungen ausreichend miteinander zu besprechen. Hinzu kommt, dass die Vermittlungsagenturen mit einer DIN-Norm Spec 33454 Zertifizierung nur geprüfte Betreuungskräfte für die 24-Stunden-Pflege und -Betreuung einsetzen dürfen. Diese Prüfung umfasst vor allem die Eignung der Betreuungskräfte für das Pflegekonzept, wie z. B. die Sprachkenntnisse.

Rechtsgrundlagen der 24-Stunden-Pflege

Die neue DIN-Spec 33454 greift die bestehenden Rechtsgrundlagen auf und formuliert weiterführende Standards, durch die sich alle Marktteilnehmer auf eine erfolgreiche und faire 24-Stunden-Pflege einigen.  Während die DIN-Norm 24-Stunden-Pflege sehr konkrete Qualitätsstandards schafft, umfassen die bisherigen rechtlichen Grundlagen gröbere Rahmenbedingungen. Dabei sind für den Interessent folgende Fragen wichtig:

  • Welche Beschäftigungsform ist legal?
  • Welche rechtlichen Rahmbedingungen bezüglich der Arbeitsbedingungen liegen vor?
  • Wie ist das Vertragswerk gestaltet?

Zwar geben die Beschäftigungsformen, der gesetzliche Mindestlohn und das A1-Formular einen rechtlichen Rahmen vor, jedoch zeigt die Marktentwicklung, dass trotz dieser Regularien einige Schlupflöcher entstanden sind. Schwarze Schafe, die diese Defizite ausnutzen, sind nun durch die Zertifizierung mit der DIN-Norm 24-Stunden-Pflege (Spec 33454) leichter zu identifizieren.  

Transparenz und Vergleichbarkeit auch bei 24h-Pflege-Check.de

Geprüfte Anbieter, Transparenz und Vergleichbarkeit zeichnen auch die Werte unseres Vergleichsportals aus. Vor allem im Dienstleistungsbereich werden für die Auswahl von Dienstleistern Erfahrungsberichte von anderen Nutzern als Referenz herangezogen. Bewertungen und Erfahrungsberichte können demnach eine entscheidende Rolle bei der Auswahl einer Vermittlungsagentur spielen. 

Mit unserem eigens entwickelten Bewertungssystems bieten wir nicht nur Nutzern eine Orientierungshilfe, sondern geben auch Vermittlungsagenturen die Möglichkeit sich durch gute Arbeit und entsprechend gute Bewertungen von anderen Vermittlungsagenturen abzugrenzen. Auf einer 5-Sterne-Skala können Nutzer in diversen Kategorien und Fragestellungen ihre Erfahrungen mit der Vermittlungsagentur veröffentlichen. Resultierend aus der Sterne-Bewertung der einzelnen Fragestellungen ergibt sich eine Summe, die die Gesamt-Anbieter-Bewertung darstellt. Im Hinblick auf die 24h-Pflege-Erfahrungen kann der Interessent ergänzend eine grundsätzliche Weiterempfehlung der entsprechenden Vermittlungsagentur aussprechen.  

Überblick über die Branche mit unserem Branchenreport

Durch unser Bewertungssystem erhalten Interessenten vor allem einen Eindruck über die Rolle der pflegenden Angehörigen in der 24-Stunden-Pflege und -Betreuung. Den ersten vollumfänglichen Marktüberblick haben wir letztes Jahr mit unserem 1. Branchenreport für 24-Stunden-Pflege und -Betreuung aus Osteuropa veröffentlicht.

Mit dem Branchenreport 2020 bieten wir allen Beteiligten im Markt einen Überblick über Relationen, Verhältnisse und das Verhalten der Interessierten. Als Datenbasis dient dafür unter anderem unsere Portal-Datenbank, sowie pflegende Angehörige, Vermittlungsagenturen und weitere Online-Analyse-Tools. Mit drei großen Themenblöcken vermittelt der Branchenreport Informationen zu den Vermittlungsagenturen, zu dem Anfrager-Verhalten und zu der Marktsituation im Corona-Jahr 2020. Neben 35 Tabellen und Abbildungen umfasst der Branchenreport auch Statements von Marktbeteiligten.

Unser erster Branchenreport zeigt Ihnen das Verhalten der unterschiedlichen Marktteilnehmer
Transparenz und einen vollständigen Marktüberblick bieten wir mit unserem ersten Branchenreport

DIN-Norm 24-Stunden-Pflege: Das Fazit

Die Kontrolle und Regulierung der 24-Stunden-Pflegebranche ist seit Jahren ein Thema, welches viele Marktteilnehmer betrifft. Bestehende Rechtsgrundlagen geben dem Pflegekonzept der 24-Stunden-Pflege und -Betreuung zwar einen Rahmen, jedoch ist dieser noch sehr breit gefasst. Ein weiterer Faktor für die möglichen grenzwertigen Aktivitäten einiger Vermittlungsagenturen ist die Vielzahl der Beteiligten an einer 24-Stunden-Pflege. Durch die vielen Teilnehmer an diesem Pflegekonzept entstehen viele Möglichkeiten, an denen unsauber gearbeitet werden kann. Dies betrifft insbesondere die Arbeitsbedingungen der Betreuungskräfte.

Die DIN-Norm 24-Stunden-Pflege (Spec 33454) greift die bisherigen Probleme bei der Regulierung der Marktteilnehmer auf. Die mit der DIN-Norm eingehenden Qualitätsstandards versichern den Interessen regelmäßige Kontrollen und faire Behandlung aller beteiligten Personen. Doch nicht nur die pflegenden Angehörigen profitieren von der DIN-Spec 33454, denn auch die Vermittlungsagenturen können sich mit einer erfolgreichen Zertifizierung von anderen Vermittlungsagenturen abgrenzen. Je nach dem Grad der Verbreitung kann die DIN-Norm 24-Stunden-Pflege auch einen signifikanten Beitrag zu der Steigerung des Images der ganzen Branche leisten. Inwiefern sich die neue Norm tatsächlich durchsetzen wird, ist natürlich zu beobachten.

Auch für unser Vergleichsportal ist der neue DIN-Standard ein spannendes Thema. In Kombination mit unseren Leistungen bezüglich der Transparenz, wie z. B. unserem Branchenreport oder unserem Bewertungssystem, ist erkennbar, dass sich die Branche professionalisiert. Der Beitrag von Verbänden und der Rechtkonformität in häuslicher Gemeinschaft bezüglich der Professionalisierung der Branche zeigt, dass sich viele Marktteilnehmer von den illegalen Aktivitäten einiger weniger abgrenzen wollen. Ziel der Professionalisierung der Branche ist es, durch hohe Qualitätsstandard die Vermittlungsagenturen, die im Graubereich agieren, so stark abzugrenzen, dass sich die Gesamtzahl dieser Vermittler im Markt stark minimiert. 

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