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Pflegeroboter und ihr Einsatz im Patientenumfeld – Science Fiction oder realistische Unterstützung?

Das Thema „Pflegeroboter" gewinnt in Deutschland auch im Jahr 2019 weiterhin an Bedeutung. Mit fortschreitendem Reifegrad der Technik rücken vor allem Fragen rund um den direkten Kontakt mit Patienten zuhause sowie bei einem Gebrauch im Pflegeheim in den Mittelpunkt.

Die Pflegebranche ist eins der zentralen gesellschaftlichen Themen unserer Zeit: Es gibt zu wenige Pflegekräfte für zu viele Pflegebedürftige und trotz intensiver Diskussion innerhalb der Politik ist aktuell völlig offen, wie dieser anhaltenden Entwicklung wirkungsvoll begegnet werden kann. Dabei liegt das Problem nicht nur im Personalmangel, sondern auch in der Überbürokratisierung, den schlechten Arbeitsbedingungen für die Pflegekraft und nicht zuletzt auch in der persönlichen Sorge, wer sich im Alter um die Angehörigen oder die eigene Person kümmert. Vor allem dieser letzte Punkt – die Ungewissheit darüber, ob ein Altern in Würde zukünftig möglich sein wird –, erweitert die Diskussion um eine emotionale und schwerer zu greifende Ebene.

Natürlich sind diese Erkenntnisse alle nicht neu. Die deutsche Politik hat mittlerweile Konzepte wie z. B. die „Konzertierte Aktion Pflege“ erarbeitet und auch die Wirtschaft unterstützt soziale Projekte zur Verbesserung der Situation. Vor allem die Frage, von welchen digitalen Neuerungen die Pflege profitieren kann, steht im Mittelpunkt vieler aktueller Ansätze. Eine Lösung mit viel Potential, aber auch mit viel Misstrauen, liegt im Einsatz von Robotern. Technik – in der auf menschlichen Interaktionen basierenden Pflege? Das ist für viele Menschen erst einmal schwer vorstellbar.

Der vorliegende Artikel gibt einen allgemeinen Einblick in den derzeitigen Stand der Diskussion (Welche Chancen, welche Risiken gibt es?), beleuchtet rechtliche sowie versicherungstechnische Aspekte und stellt aktuelle technische Entwicklungen vor.

Eine Frage, die niemanden kalt lässt

Ob im gesellschaftlichen Kontext, im privaten Umfeld oder auch in Hinblick auf die eigene Person: Keiner dieser Bereiche bleibt von der Frage unberührt, ob man Pflegeroboter als eine Hilfe oder eher als eine Bedrohung ansieht. Um einen Überblick über das Stimmungsbild zu erhalten, lohnt sich ein Blick auf die Umfrageergebnisse der Meinungsforscher von TNS Emnid. Ein Viertel aller Deutschen kann sich demnach vorstellen, von einem Roboter direkt versorgt zu werden. Das bedeutet umgekehrt, dass 75 Prozent eher dagegen sind. Auch wenn verschiedene Faktoren eine Rolle spielen, haben vor allem die eigenen Emotionen Einfluss auf die Bereitschaft, sich der neuen Technik zu öffnen.

Verschiedene Beteiligungsgruppen haben dabei verschiedene Gründe:

Es wird deutlich, dass die Akzeptanz der künstlichen Helfer der zentrale Faktor bei der Beschäftigung mit dem Thema ist. Obwohl es je nach Beteiligungsgruppe spezielle Argumente für oder gegen den Einsatz beim Pflegen gibt, ist die endgültige Entscheidung immer eine persönliche. Grundsätzlich gilt, dass die Nutzung solch einer Technik nur sinnvoll ist, wenn sie auch gewollt ist.

Die Presse: kritisch, aber nicht ablehnend

In der Presse werden Pflegeroboter heute häufig noch kritisch gesehen. Zwar wird anerkannt, dass es in diesem Bereich regelmäßig Fortschritte gibt, trotzdem ist auch aus dieser Diskussion die emotionale Komponente nicht ausklammerbar. Oft ist zu lesen, dass Pflegeroboter die Pflegekraft nicht ersetzen, sondern diese mit ihren Funktionen für Entlastung sorgen sollen. Das sagt viel über die Ängste und Vorbehalte in Bezug auf die Technik aus. Auch sieht die Presse die freie Wahlmöglichkeit als einen, wenn nicht den zentralen Punkt an und schließt sich damit der Haltung der zuvor erwähnten direkten Beteiligten an. Und das unabhängig davon, ob ein Mensch grundsätzlich für oder gegen das Einsetzen dieser Art von Hilfe in der Pflege ist. Wie genau so eine freie Wahl in der stationären Betreuung ablaufen kann, ist mit dieser Feststellung alleine jedoch noch nicht beantwortet.

Eine weitere kritische Anmerkung zielt auf die Grundlage der Maschinen ab: die Technik. Auch wenn sich die Hersteller bemühen, die Modelle ansprechender, d. h. vor allem menschlicher zu gestalten, bleiben diese am Ende immer noch Maschinen. Trotz der steigenden Leistungen der künstlichen Intelligenz fehlt bis auf Weiteres die Feinmotorik sowie so etwas wie Empathie, um auf die unterschiedlichen menschlichen Emotionen eingehen zu können. Ob eine mangelhaft ausgeprägte Emotionalität kurzfristig für die Roboter zum K.O.-Kriterium wird, ist bislang nicht abzusehen und es gilt auch zu beachten, dass diese emotionalen Interaktionen bei einigen Modellen gar nicht im Vordergrund des Grundnutzens stehen. Fraglich ist zudem, ob Roboter solche Fähigkeiten jemals erlangen können und auch ob dies langfristig überhaupt von der Mehrheit der Gesellschaft gewollt ist.

Ein letzter Kritikpunkt, der hier angeführt werden soll, ist die potenzielle Vereinsamung. Dieses generelle gesellschaftliche Problem wirkt sich bei erkrankten und/oder älteren Personen oft noch stärker aus. Geräte, die auf Interaktion mit Senioren ausgelegt sind, könnten diese Vereinsamung fördern, da ihre Verwendung den Kontakt zu „echten“ Menschen wahrscheinlich zusätzlich minimieren wird. Gerade aber für jemanden, der beispielsweise an Alzheimer erkrankt ist, ist es wichtig, menschliche Nähe zu den Pfleger/innen in der Einrichtung zu spüren. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass es nicht darum gehen kann, Pflegekräfte durch Maschinen zu ersetzen, sondern die Technik in den richtigen Bereichen als Ergänzung und als Entlastung für menschliche Pflegekräfte anzusehen.

Die rechtliche Situation: eine Grauzone

Obwohl das Thema "Pflegeroboter" immer größere Beachtung findet, sind die versicherungstechnischen Zusammenhänge größtenteils noch ungeklärt. Derzeit wird in nur wenigen Fällen die Finanzierung einzelner Modelle von der Krankenkasse übernommen. Das grundlegende Hindernis für einen höheren Finanzierungsanteil ist, dass das Pflegehilfsmittel- und Hilfsmittelverzeichnis nicht auf Pflegeroboter eingestellt ist. Diese Ausrichtung ist aber notwendige Voraussetzung, damit die Krankenkassen die Kosten für die Roboter übernehmen können. Die Folge ist, dass mit der Finanzierung der Robotermodelle bis auf Weiteres ein enormer bürokratischer Aufwand verbunden ist.

Auch das Thema Datenschutz ist allgegenwärtig: Um sich weiterzuentwickeln, sammeln die Roboter Daten. Im Umkehrschluss heißt das auch: Ein Roboter, der keine Daten sammelt, kann sich nach derzeitigem Stand der Technik nicht weiterentwickeln. In Bezug auf die Pflegebedürftigen stellt sich daher die wichtige Frage: Welche Daten darf der Roboter ungefragt sammeln und in welchen Fällen braucht es ein Einverständnis? Das nächste Problem schließt sich unmittelbar an: Gerade in Situationen, in denen die betroffene Person schwer erkrankt ist (z. B. Demenz), steht man vor dem Problem, dass ein Einverständnis eventuell nicht mehr oder nicht mehr belastbar eingeholt werden kann. Ungewissheit herrscht dann gegebenenfalls zusätzlich darüber, wer als Stellvertreter ein mögliches Einverständnis für diese Person erteilen kann und darf. Und nachgelagert stellt sich dann natürlich auch noch die Frage, wie ein Schutz der Daten vor dem Zugriff von Unbefugten oder der bewussten Weitergabe an Dritte verhindert werden kann.

Wer haftet, falls etwas nicht richtig funktioniert?

Auch die Frage, wer dafür haftet, falls es zu einem Unfall kommen sollte, ist derzeit nicht abschließend beantwortet. Bei der Nutzung eines Roboters in einer Pflegeeinrichtung treten verschiedene Personengruppen mit diesem in Kontakt. Je nach Gruppe ist die Art und Weise, wann und wie man mit den Geräten interagiert, eine andere. Auf Basis dieser Unterschiede lassen sich zumindest ansatzweise einige versicherungstechnische Aspekte beantworten. Bei Fehlern in der Produktion oder Programmierung des Roboters liegt die Schuld bei den Entwicklern bzw. Herstellern. Allerdings entwickeln sich einige Modelle auch auf Basis der mit ihnen getätigten Interaktionen eigenständig weiter. Theoretisch kann folglich nicht ausgeschlossen werden, dass ein negatives Verhalten der Maschine erst aus der direkten Beeinflussung durch einen Nutzer entstanden ist. Bei erlerntem Fehlverhalten könnte dieser somit auch haftbar gemacht werden.

Diese Hindernisse und Unklarheiten in Sachen Recht und Haftung führen neben der allgemeinen Verunsicherung in der Gesellschaft auch zu einer gewissen Zurückhaltung bei den Entwicklern der Geräte. Das nicht kalkulierbare Risiko der Haftung und der mögliche Ertrag stehen für viele Hersteller bislang zumeist noch nicht in einem wirtschaftlich passenden Verhältnis. Eine eindeutige Beantwortung dieser Fragen ist somit für die weitere Entwicklung der gesamten Branche entscheidend.

Die Modelle – Pflegeroboter kaufen

Trotz dieser Hindernisse wurden in den letzten Jahren bereits einige Modelle testweise in Pflegeeinrichtungen eingesetzt. Japan gilt im Bereich der Robotik als Vorreiter, aber auch innerhalb der EU und speziell in Deutschland ist die Entwicklung schon fortgeschritten – solange man sich bei der Bewertung auf die konkreten Anforderungen des jeweiligen Aufgabengebiets beschränkt. Derzeit gibt es rund ein Dutzend Modelle auf dem Markt. Die folgende Tabelle gibt einen kurzen Überblick über die Namen und die speziellen Funktionen der Geräte und gruppiert sie in Grundkategorien:

Kategorie

Service-Roboter

Sozio-interaktive Roboter

Hebe-Roboter

Modellname

  • Casero 4
  • Terapio
  • Care-o-bot
  • Lio
  • Jaco (Greifarm)
  • Paro
  • Justo Cat (Pet Roboter)
  • Pepper
  • Garmi
  • Zora
  • Robbe
  • Robear
  • Elevon

Funktionen

  • Standardaufgaben erfüllen
  • Gegenstände transportieren
  • Eigenständige Bewegungen
  • Interaktionen (z. B. Unterhaltung führen)
  • Erinnerung an Haustiere
  • Pflegebedürftige heben
  • Lift-Funktion
  • Körperlich schwere Arbeit (Entlastung)

Um eine echte Hilfe darzustellen, müsste ein Modell viele unterschiedliche Funktionen in sich vereinen. Dazu ist die heutige Technik allerdings noch nicht in der Lage. Die Unterscheidung der Geräte in Service-Roboter, sozio-interaktive Roboter und Hebe-Roboter begründet sich vor allem darin, dass sie in ihren jeweiligen Funktionen auf diese spezifischen Fähigkeiten beschränkt sind. Um wirklich alle denkbaren Aufgaben abzudecken, müssten folglich mehrere unterschiedliche Varianten eingesetzt werden, was erwartungshalber wohl häufig an finanziellen Hürden scheitern wird. Zudem bliebe selbst dann noch fraglich, ob die Übernahme des kompletten Aufgabenbereichs gelingen würde. Konkret folgt daraus, dass Pflegeeinrichtungen sich genau überlegen müssen, für welchen Bereich sie einen Roboter anschaffen wollen und ob das ausgewählte Modell die anfallenden Aufgaben tatsächlich meistern kann.

Lernen immer mehr dazu: Roboter in der Pflege

Lernen immer mehr dazu: Roboter in der Pflege.

© unsplash.com, Frank V.

Fazit: Eher Unterstützung als Ersatz

Die Funktionen der meisten aktuellen Modelle zielen primär auf die Entlastung der Einrichtungsmitarbeiter ab. Grundlegende Aufgaben können einige Modelle bereits übernehmen. Ziel ist es, dass die Maschinen wiederkehrende Routineaufgaben, die nicht direkt am Patienten anfallen, den Mitarbeitern abnehmen können und diese so wieder mehr Zeit für die Pflegebedürftigen selbst haben ¬– etwas, das man als einen der am häufigsten genannten Wünsche immer wieder hört.

Doch wie sieht es mit der Nutzung in der ambulanten Pflege aus und können die künstlichen Helfer auch Pflegekräfte aus Osteuropa entlasten? Ja, auch bei der 24h-Betreuung macht der Gebrauch von Robotern durchaus Sinn. Beispielsweise sollen die Modelle Paro oder die Justo Cat den von Demenz betroffenen Personen helfen, sich wieder mehr zu öffnen. Das Design der Modelle ist angelehnt an echte Haustiere und auch Größe und Gewicht sind angepasst für einen Einsatz im eigenen Haus. Damit scheint die Verwendung solcher Modelle zur 24 Stunden Pflege bei Demenz grundsätzlich denkbar.

Positiv ist der Trend, der sich im Rahmen erster Testeinsätze gezeigt hat: dass ältere Menschen die Geräte in Teilen sehr gut annehmen. Die neutrale Art der künstlichen Helfer wurde von den Betroffenen positiv aufgenommen. Beispielsweise fragt dieser im Rahmen einer Trinkerinnerung immer in dem gleichen Tonfall, auch wenn er die Frage bereits mehrfach gestellt hat. In solchen Momenten besteht die Möglichkeit, dass Pfleger/innen oder Angehörige irgendwann die Geduld verlieren, was zu weiteren Spannungen oder Verunsicherungen auf Seiten der Senioren führt. Entscheidend für die weitere Entwicklung wird sein, ob sich das Bewusstsein um diese Vorteile weiter in der Praxis festsetzt und auch, ob dies dann auch von der Gesellschaft erkannt und akzeptiert wird. Gerade letztere Frage wird eine entscheidende bleiben.

Pflegerobotern die Hand reichen?

Pflegerobotern die Hand reichen?

© unsplash.com, Frank V.

Ausblick: Was bringt die Zukunft?

Neben dem emotionalen Faktor sind technische und ökonomische Aspekte von Bedeutung hinsichtlich einer größeren Durchdringung der Pflegeroboter innerhalb der Pflegebranche. Kurzgefasst sollte das Motto für die Zukunft lauten: Immer bessere Technik für einen zunehmend bezahlbareren Preis. Einrichtungen müssen sich die Geräte leisten können und deren Einsatz muss einen verlässlichen Mehrwert bieten.

Mittel- und langfristig werden Roboter unbestreitbar ein Teil unseres Alltags sein. Einige Ausführungen wie z. B. als Rasenmäher oder Staubsauger sind schon heute in großer Zahl unterwegs. Durch die hohe Emotionalität bei der Verknüpfung mit dem Thema Pflege und den einhergehenden ethischen Fragen hat die Technik hier einen schwereren Stand. Bis Roboter in der Pflege mehrheitlich eingesetzt werden, dauert es daher wahrscheinlich noch etwas länger. Aufgrund der ständig größer werdenden Probleme in der Pflegebranche werden intelligente Maschinen bei der Ausgestaltung der zukünftigen Pflege dennoch eine zentrale Rolle spielen. Schätzungen gehen heute davon aus, dass die sozialen Pflegeroboter bis 2025 flächendeckend in der Betreuung älterer Menschen eingesetzt werden, solange sich die Entwicklung wie bislang weiter fortsetzt.

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