Pressemitteilung des deutschen Ethikrates zum Einsatz von Pflegerobotern

In Zeiten von Personalmangel und den steigenden Zahlen von Pflegebedürftigen rückt das Thema der Pflegeroboter in der Altenpflege immer mehr in den Mittelpunkt. Durch die hohe Emotionalität des Themas stehen die möglichen technischen Vorteile im Kontrast zu den persönlichen Empfindungen vieler Menschen. Befürworter und Skeptiker diskutieren den Einsatz von Pflegerobotern schon länger, wobei vor allem die ethischen Fragen ein zentraler Diskussionspunkt sind. 

Über den deutschen Ethikrat

Aufgrund der Aktualität des Themas hat der deutsche Ethikrat diese Woche eine Pressemitteilung bezüglich des Einsatzes von Pflegerobotern in Deutschland veröffentlicht. Als unabhängige Instanz bearbeitet der deutsche Ethikrat gesellschaftliche, medizinische und rechtliche Fragen. Bestehend aus 26 Mitgliedern fördert der Ethikrat öffentliche Diskussionen und informiert die Gesellschaft unabhängig zu Themen, wie bspw. dem Einsatz von Pflegerobotern. 

Grundsätzlicher Nutzen bestätigt

In seiner Pressemitteilung räumt der deutsche Ethikrat ein grundsätzliches Nutzen der Technik ein. Vor allem durch den sich zuspitzenden Fachkräftemangel herrscht in der Pflege die Frage, wie die Pflegebedürftigen in Zukunft versorgt werden sollen. Die Vorteile der Roboter ordnet der Ethikrat jedoch nicht nur in der Beseitigung von Personalengpässen ein, sondern insbesondere auch zu der Förderung guter Pflege. Als zentrales Einsatzgebiet können die Roboter die Pflegekräfte bei schweren körperlichen Verrichtungen entlasten und so zur Erhaltung der Gesundheit von Pflegekräften beitragen. Auch das Übernehmen von Routineaufgaben stellt einen Nutzen der Technik dar. Durch diese Art der Entlastung können die Pflegekräfte mehr Zeit für die persönlichen Interaktionen mit den pflegebedürftigen Menschen investieren.

Pflegeroboter: Ethische Bedenken

In der offiziellen Stellungnahme stellt der Ethikrat die Frage, ob wirklich alle Funktionen und Einsatzgebiete der Roboter unter ethischen Aspekten erstrebenswert sind. So sind die heutigen Roboter in der Lage, mit den Patienten zu kommunizieren und auch die emotionalen Bedürfnisse in Teilen zu stillen. Doch wollen wir das? Die Antwort auf diese persönliche Frage hat grundsätzlich jeder für sich selbst zu beantworten. 

Eine überwiegend durch Pflegeroboter abgedeckte Kommunikation sieht der Ethikrat als „fragwürdig“. Auch der tägliche Umgang mit den Pflegerobotern seitens der Pflegekräfte wird als eine potentielle Herausforderung beurteilt. 

Die ersten Pilot-Einsätze haben die Vorteile und technischen Einschränkungen der aktuellen Robotermodelle gezeigt.
Die Pressemitteilung des Ethikrates beschäftigt sich mit dem Einsatz von Pflegerobotern, wie dem Modell Pepper ©Owen Beard on Unsplash

Pflegeroboter als Ersatz für Pflegekräfte?

Die größte Befürchtung im Hinblick auf den Einsatz von Pflegerobotern ist, dass sie langfristig die menschlichen Pflegekräfte ersetzen und die sonst so beziehungsorientierte Pflege von Technik geprägt wird. Mit einem Blick auf die bisherigen technischen Möglichkeiten ist diese Sorge jedoch schnell zu entkräften. Die Mehrzahl der Modelle ist darauf ausgerichtet grundlegende Aufgaben zu übernehmen, die nicht direkt im Kontakt mit dem Patienten zu bewältigen sind.

Durch den technischen Fortschritt in den letzten Jahren können sich einige Robotik-Modelle bereits eigenständig bewegen und dadurch beispielsweise Pflegekräfte mit den richtigen Materialien, wie z. B. Tabletten, versorgen. Trotz dieser Funktionen ist die technische Entwicklung der Pflegeroboter längst noch nicht soweit, dass die Modelle viele unterschiedliche Aufgaben übernehmen können. Viele aktuelle Modelle spezialisieren sich aufgrund der fehlenden Technik auf ein Aufgabengebiet (z.B. das Anheben von Pflegebedürftigen). Die technische Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI) ist also weiter eine der zentralen Herausforderungen im Hinblick auf die Robotik in der Pflege.

Pflegeroboter in der ambulanten Betreuung 

Die bisherigen Pilot-Einsätze von Pflegerobotern fanden vor allem in stationären Einrichtungen statt. Doch sind die technischen Hilfsmittel auch für die ambulante Pflege, im Rahmen einer 24h Betreuung oder einer Kurzzeitpflegegeeignet? Klar ist, dass einige Robotik-Modelle für die ambulante Betreuung durch Pflegekräfte aus Osteuropa allein aufgrund der Kosten und der Größe nicht geeignet sind. Dennoch gibt es auch Pflegeroboter, die für den Einsatz im Rahmen einer Vollzeitpflege für Senioren sinnvoll eingesetzt werden können.

Vor allem die Pet Roboter-Modelle, wie Paro und Justo Cat, sind dank ihrer Funktionen für den Einsatz in der 24h-Betreuung ideal. Durch ihr Äußeres sollen sie die Senioren an mögliche frühere Haustiere denken lassen und so Erinnerung an die Vergangenheit auffrischen. Die ersten Tests haben bereits positive Wirkung dieser Modelle bei der Behandlung von Demenz gezeigt. Egal ob in der stationären oder in der ambulanten Pflege, das Ziel der Pflegeroboter ist es die Pflege- und Betreuungskräfte zu entlasten und so dafür zu sorgen, dass sich diese intensiver, um die pflegenden Personen kümmern können.

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