Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Herz-Kreislauf-Erkrankung: Oft chronisch und inkonsequent behandelt

Die Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems gehören in Deutschland und in anderen Industrienationen seit vielen Jahren zu den häufigsten Todesursachen. Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, unter die die Erkrankungen des Herzens und der Blutgefäße zusammengefasst werden, handelt es sich in der Regel um chronische Krankheiten. Diese können für Betroffene schwere Folgen nach sich ziehen, wenn keine konsequente Behandlung der jeweiligen Erkrankung erfolgt.1

Aktuelle Zahlen zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes zählten im Jahr 2012 die Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, wie auch in den Vorjahren, mit großem Abstand zu den häufigsten Todesursachen. Bei insgesamt 349.217 führte eine Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems zum Tod. Da vor allem ältere Menschen betroffen sind, waren 92 % der Verstorbenen 65 Jahre und älter.2

Die häufigsten Todesursachen 20123

Die häufigsten Todesursachen

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an das Statistische Bundesamt, 2014

Um die Diagnose, Prävention und Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen weiter voranzubringen, konzentriert sich das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) auf die Erforschung neuer Ansätze. Die Forschungen des DZHK sind von großer Bedeutung, da in Folge durch zunehmende Stoffwechselstörungen wie beispielsweise Adipositas oder Diabetes und den demografischen Wandel Herz-Kreislauf-Erkrankungen zunehmen werden.4 Auch die Deutsche Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen (DGPR) verfolgt das Ziel neue Methoden in der Behandlung von Herz- und Kreislauferkrankungen zu erarbeiten und zu erforschen.5

Häufige Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Trotz des breiten Spektrums der Herz-Kreislauf-Erkrankungen können einige wichtige Krankheiten genannt werden, die den größten Anteil ausmachen. Die mit Abstand häufigste Erkrankung ist der Bluthochdruck, auch Hypertonie genannt, von der ca., 20 % aller Erwachsenen betroffen sind. Der Anteil der Menschen, die von einer Hypertonie betroffen sind, liegt dabei im Alter deutlich höher. Charakteristisch für die Erkrankung sind dauerhaft erhöhte Blutdruckwerte, wobei es langfristig zu einer Schädigung der arteriellen Blutgefäße kommt und so das Risiko für einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt steigt. An zweiter Stelle unter den Herz-Kreislauf-Erkrankungen steht die koronare Herzerkrankung (KHK), von der über drei Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind.1 Durch Gefäßverkalkungen (Arteriosklerose) kommt es zu einer Verengung in den Herzkrankgefäßen. Diese Verengung wiederum führt zu Durchblutungsstörungen in den dazugehörigen Herzarealen. Somit herrscht ein Missverhältnis zwischen Sauerstoffbedarf und Sauerstoffangebot.4 An einem chronischen Herzversagen oder Herzinsuffizienz leiden etwa zwei Millionen Deutsche.1 Bei einer Herzinsuffizienz schafft es der Herzmuskel nicht mehr, die zugeführte Blutmenge mit ausreichender Kraft in den menschlichen Organismus zu pumpen. Es kommt zu einer reduzierten körperlichen Belastbarkeit, da der Energiebedarf des Organismus nicht mehr in einem ausreichenden Ausmaß gewährleistet werden kann.6

Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen7

Risikofaktor

Erkrankung

Besonderer Hinweis

Geschlecht

Herz-Kreislauf

Männer sind bis 55 Jahre gefährdeter als Frauen

Familie/Erbanlage

Herz-Kreislauf

Erkrankungen der Eltern(z. B. Herzinfarkt, Schlaganfall, Hypertonie, Diabetes)

Hypertonie

Schlaganfall, Herzmuskelschwäche, Herzinfarkt, Nierenversagen

Frauen haben bis zu den Wechseljahren seltener, danach häufiger Hypertonie

Rauchen

Herzinfarkt, Schlaganfall, Arteriosklerose (z. B. Raucherbein)

Rauche ist besonders gefährlich, wenn gleichzeitig andere Risikofaktoren bestehen

Fettstoffwechselstörungen
(besonders erhöhtes Cholesterin)

Herzinfarkt, Schlaganfall, Arteriosklerose

meistens durch Übergewicht und Bewegungsmangel verursacht, aber auch erblich bedingt

Diabetes
(Blutzuckerkrankheit)

Herzinfarkt, Augen-, Nierenerkrankungen, Arteriosklerose

meistens durch Übergewicht und falsche Ernährung bedingt (Typ 2), aber auch erblicher Faktor

Übergewicht/Adipositas

Hypertonie, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen

wichtigste und häufigste Auslöser für eine Hypertonie

Ovulationshemmer
(Antibabypille)

Gefäßverschlüsse (Embolien, Thrombosen)

Frauen ab 30 Jahren, insbesondere Raucherinnen sind gefährdet; die Pille kann zur Hypertonie führen

Stressfaktoren

Hoher Blutdruck, Herzerkrankungen

akute Stresssituationen führen zu einem sofortigen Anstieg des Blutdrucks

Bewegungsmangel

Diabetes, Übergewicht, Hypertonie

Sport ist ein Schutzfaktor

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Laupert-Deick, Völker & Middeke, 2010, S. 13

Maßnahmen zur Verringerung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen – Tipps für die Pflege daheim

Eine Herz-Kreislauf-Erkrankung kann einen bisher selbstständigen Menschen von einem Tage auf den anderen, aber auch schleichend in die schwierige Lage bringen, dass eine Pflege oder Unterstützung benötigt wird. Mithilfe des ambulanten Pflegedienstes oder einer 24-Stunden-Betreuung können Betroffene, die an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden, in einigen Bereichen ihres Lebens Umstellungen vornehmen. Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen kann durch eine angepasste körperliche Bewegung, Stressbewältigung, Rauchverzicht und übermäßigen Alkoholkonsum sowie durch die Beseitigung einer Fehlernährung verringert werden.

Körperliche Bewegung

Leichte körperliche Bewegungen wie Walking reduzieren deutlich das Risiko für verschiedene Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie das Sterberisiko. Eine regelmäßige Bewegung sollte je nach körperlicher Verfassung in den Tagesrhythmus eingebaut werden. Zudem können durch Bewegung die Folgen einer Fettleibigkeit reduziert und die Fitness aufrechterhalten werden.8

Stressbewältigung

Chronischer Stress belastet vor allem Herz und Kreislauf. Die Folgen sind Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte und Gefäßablagerungen und können im schlimmsten Fall in einem Herzinfarkt oder Schlaganfall enden.9

Tipps:

  • Entspannungsübungen wie Autogenes Training oder Traumreisen als Hörspiel
  • Durch vieles Lachen und Fröhlichkeit werden Stresshormone und der Cholesterinspiegel gesenkt
  • Hobbys wie beispielsweise Basteln, Lesen, Malen, Sticken oder Singen
  • Entspannung durch ein Bad

Verzicht auf Rauchen

Als wichtiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählt das Rauchen, zu denen unter anderem der Herzinfarkt, der Schlaganfall und das Raucherbein zählen. Durch einen jahrelangen schleichenden Prozess entwickelt sich eine fortschreitende Gefäßverkalkung (Arteriosklerose). Dabei lagern sich Cholesterin, andere Fette und Blutzellen als Plaques an der Gefäßwand ab und führen zu einer Verengung, wobei die Gefäße ihre Weichheit und Elastizität verlieren. Dieser Prozess ereilt mit zunehmendem Alter jeden Menschen, jedoch entwickelt sich dieser Prozess bei Rauchern wesentlich schneller.

Info: Mit dem Rauchen aufzuhören lohnt sich zu jedem Zeitpunkt! Etwa fünf Jahre nach einem Rauchstopp nimmt das Risiko einen Schlaganfall zu erleiden deutlich ab. Menschen mit einer bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankung senken zudem das Risiko für einen Herzinfarkt.10

Ernährung

Insbesondere bezüglich der Ernährung sollten die folgenden Punkte beachtet werden:

Weitere Informationen für pflegende Angehörige und Pflegende

Auf den Seiten des Bundesministeriums für Gesundheit und des Robert Koch-Institutes können bei Interesse weitere Informationen und Artikel zum Thema Herz-Kreislauf-Erkrankungen abgerufen werden. Aber auch über die Seiten der DGPR und DZHK erhalten Sie News oder Informationen zu Publikationen, aber auch zu Herzgruppen.


Erfahren Sie mehr zu Krankheiten im Alter und deren ambulante Behandlung im Rahmen einer Pflege daheim:






Quellen:

1. Bundesministerium für Bildung und Forschung (28.07.2014). Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Abgerufen am 30.07.2014 von http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/herz-kreislauf-erkrankungen.php

2. Statistisches Bundesamt (2012). 2012: Anstieg der Todesfälle im Vergleich zum Vorjahr um 2 %. Abgerufen am 30.07.2014 von https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Gesundheit/Todesursachen/Aktuell.html

3. Statistisches Bundesamt (2012). Todesursachen. Anzahl der Gestorbenen nach ausgewählten Todesursachen 2012. Abgerufen am 30.07.2014 von https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Gesundheit/Todesursachen/Tabellen/EckdatenTU.html

4. Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Mission. Abgerufen am 30.07.2014 von http://dzhk.de/forschung/mission-und-strategie/

5. Deutsche Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen (DGPR). DGPR – Wir über uns. Abgerufen am 30.07.2014 von http://www.dgpr.de/dgpr.html

6. Schewior-Popp, S., Sitzmann, F., Ullrich, L. (2012). Thiemes Pflege. Lehrbuch für Pflegende in Ausbildung. Stuttgart: Georg Thieme Verlag KG.

7. Laupert-Deick, C., Völker, K., Middeke, M. (2010). Bluthochdruck senken ohne Medikamente: Ihr Blutdruck-runter-Programm. Stuttgart: Trias Verlag.

8. Silverthorn, D. U. (2009). Physiologie. München: Pearson Studium

9. Deutsche Krankenversicherung (20.01.2011). Stress und Gesundheit. Abgerufen am 30.07.2014 von http://www.dkv.com/gesundheit-stress-gesundheit-12632.html

10. Deutsche Krankenversicherung (20.01.2011). Rauchen-Auswirkungen auf den Körper. Abgerufen am 30.07.2014 von http://www.dkv.com/gesundheit-rauchen-wirkungen-koerper-12537.html

11. Arens-Azevêdo,U., Behr-Völtzer, C. (2002). Ernährung im Alter. Hannover: Vincentz Verlag.